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Auf einen Blick

Die Nachbereitung der Betriebsversammlung durch den Betriebsrat hat den Zweck, zu überprüfen, ob und wie man die vorher gesetzten Ziele erreicht hat.

In einer zeitnah stattfindenden BR-Sitzung wird besprochen, was man beim nächsten Mal genauso macht, und was verändert werden sollte.

Im Laufe von einigen Betriebsversammlungen entsteht und bewährt sich dadurch eine Struktur für die Vorbereitung und Durchführung von Betriebsversammlungen.

Wichtig ist es, in die Nachbereitung die Belegschaft mit einzubeziehen.

Die Frage Richtung Arbeitgeber ist: Funktionieren die Absprachen und stellt der Arbeitgeber dem Betriebsrat alles Erforderliche zur Verfügung? Welche Änderungen erwartet der Betriebsrat vom Arbeitgeber für die nächste Betriebsversammlung?

Wie sollte die Nachbereitung im Gremium ablaufen?

Die Vorbereitung und Durchführung einer Betriebsversammlung braucht immer mehr Zeit als gedacht. Besonders bei neu gewählten Gremien, oder wenn es erstmals einen Betriebsrat gibt, merkt man erst im Laufe der Vorbereitung, dass alles länger dauert als geplant und dass immer noch neue Arbeiten dazukommen, die man vorher nicht im Blick hatte. 

Gremien mit wenig Erfahrung sollten genügend Zeit einplanen. Bei erfahrenen Gremien sorgt die Erfahrung und die eine oder andere Checkliste (die im Laufe der Zeit erstellt und angepasst wurde) für bessere Planbarkeit und zeitliche Einsparungen. 

Warum beginnt der Text über die Nachbereitung einer Betriebsversammlung mit deren Vorbereitung? Weil zur Nachbereitung eben auch die Reflexion der Vorbereitung gehört. Und weil eine gute Nachbereitung der erste Schritt in der Vorbereitung der nächsten Betriebsversammlung darstellt. 

Checklisten entstehen durch systematische Planung und Vorbereitung jeder Betriebsversammlung und deren zeitnahen Nachbereitung. 

Nach jeder Betriebsversammlung sollte sich das Gremium fragen: Wie hat die Vorbereitung funktioniert?

  • Festlegen und Abstimmen des Termins
  • Festlegung der Tagesordnung und des Ablaufplans
  • Erstellung und Verbreitung der Einladungen
  • Absprache mit Gewerkschaft und Arbeitgeber (und weiteren Referenten)
  • Maßnahmen für die Steigerung der Teilnahme und Beteiligung/ Diskussion
  • Auswahl der Themen
  • Vorbereitung und Präsentation der Redebeiträge des BR
  • Vorbereitung und Gestaltung des Versammlungsraums und der Technik

Zur Nachbereitung der Betriebsversammlung gehört es also, die Vorbereitung zu hinterfragen und Überlegungen für die nächste Betriebsversammlung zu machen und auch schon aufzuschreiben. 

Neben den eher organisatorischen und strukturellen Aspekten sollten auch die eher „weichen Faktoren“ mit einbezogen werden.

  • Wie war die Atmosphäre der Versammlung?
  • Haben wir die Kolleginnen und Kollegen erreicht?
  • Wie hat sich die Geschäftsleitung präsentiert? Wie haben wir darauf reagiert?
  • Wie haben wir uns als Gremium präsentiert?
  • Wie ist der Beitrag unserer Gewerkschaft bei den Kolleg:innen angekommen?

So entsteht ein Fragenkatalog und/ oder eine Checkliste. Zur Nachbereitung gehört immer der Punkt „Was machen wir beim nächsten Mal anders?“ Wichtig ist es, die Punkte aufzuschreiben und sie bei der Vorbereitung der nächsten Versammlung zu nutzen.

Beispiel für einen Leitfaden zur Nachbereitung der Betriebsversammlung im Rahmen einer BR-Sitzung

Beurteilung der Vorbereitung 

  • zeitlicher Rahmen
  • inhaltlich (Themen gut vorbereitet?)
  • alle beteiligt (wie war unsere Arbeitsteilung?)

Beurteilung der Versammlung 

  • äußere Rahmenbedingungen (Raum, Akustik, …)
  • Struktur, Länge und Abwechslungsreichtum, richtige Themen?
  • Anzahl Teilnehmende, Diskussionsbereitschaft, Atmosphäre
  • Beiträge/ Reden
  • Moderation und Auftreten BR
  • Beiträge der Belegschaft 

Ideen für die nächste Versammlung

  • Vorbereitung BR
  • Abstimmung mit AG
  • Ideen und neue Themen
  • Wie umgehen mit Kritik?
  • Neue Ideen für interessantere Gestaltung

Wie sollte die Belegschaft einbezogen werden?

In der Betriebsversammlung lädt der Betriebsrat die Belegschaft ein, um …

  • über die Arbeit des letzten Vierteljahres zu berichten,
  • sich eine Rückmeldung über den Erfolg der Arbeit abzuholen,
  • aktuelle und zukünftige Themen und Probleme sichtbar zu machen und
  • auch zu zeigen, wie Arbeitgeber und Betriebsrat zusammenarbeiten, das bedeutet, wie der Betriebsrat die Interessen der Belegschaft gegenüber dem Arbeitgeber vertritt. 

Nur eine Betriebsversammlung, die den größten Teil der Belegschaft auch tatsächlich erreicht, ist eine erfolgreiche! 

Daraus ergeben sich für die Nachbereitung die Fragen, die in der nachbereitenden BR-Sitzung diskutiert werden sollten:

  • Ist die Belegschaft unsere Einladung gefolgt? Wer war nicht da und warum? (War vielleicht der Termin ungünstig? …)
  • Haben wir durch unsere Art der Einladung und Befragungen im Vorfeld genug Werbung für die Betriebsversammlung gemacht und Interesse geweckt?
  • Haben wir die Themen gewählt, die interessieren?
  • Gab es auf der Versammlung Redebeiträge und Fragen aus der Belegschaft?

Genauso wie bei der die Einladung der Belegschaft zur Betriebsversammlung sollte das Feedback der Gäste/ der Belegschaft durch persönliche Gespräche eingeholt werden. 

Wichtiger als dafür einen ausgeklügelten Fragebogen zu entwickeln ist es, mit den Kolleg:innen ins Gespräch zu kommen. 

Am sinnvollsten ist es, wenn ein bis drei Tage nach der Versammlung alle Betriebsratsmitglieder durch ihre Betreuungsbereiche gehen, mit den Kolleg:innen reden und einzelne Rückmeldungen sammeln (und aufschreiben). Diese werden selbstverständlich im Gremium (für den ganzen Betrieb) zusammengestellt, mit dem Ziel beim nächsten Mal noch besser auf die Bedürfnisse der Kolleg:innen einzugehen. 

Ein Beispiel für Fragen, mit denen BR-Mitglieder das Gespräch mit Kolleg:innen suchen können

  • Was hat dir gefallen?
  • Was hat dir gefehlt?
  • Was hat dich gestört?
  • Was wünschst du dir für eine nächste Versammlung?

Von (einer schriftlichen) Befragungen im Stil von …

  • „Wie hat dir die Betriebsversammlung gefallen?“
  • mit Ankreuzmöglichkeiten (sehr gut – gut – in Ordnung – schlecht – sehr schlecht)
  • selbst mit der Möglichkeit von freien zusätzlichen Anmerkungen raten wir ab. 

Solche Rückmeldungen sind in der Regel wenig hilfreich. Sie geben lediglich die allgemeine Stimmung wieder – die der Betriebsrat meist bereits (grob) kennt. In schwierigen betrieblichen Lagen machen die so gewonnen Ergebnisse nicht nur schlechte Laune, sondern könnten vom Arbeitgeber auch als fehlenden Rückhalt des Betriebsrats in der Belegschaft gedeutet werden. 

Wie würde man mit dem Arbeitgeber eine Nachbesprechung gestalten?

Spätestens beim nächsten Monatsgespräch wird auch eine Nachbesprechung der Betriebsversammlung mit dem Arbeitgeber stattfinden.

Sollte es Missverständnisse und offene Fragen bei der Versammlung gegeben haben, sollte der Betriebsrat den Punkt „Betriebsversammlung“ auf die Tagesordnung setzen und damit demonstrieren, dass es hier noch Gesprächs- und Klärungsbedarf gibt.

Aber auch, wenn alles unaufgeregt und nach Plan abgelaufen ist, sollte sich der Betriebsrat auf diesen Tagesordnungspunkt im Rahmen der eigenen Nachbesprechung vorbereiten. 

Beispiel für Fragenkatalog, der zunächst in der BR-Sitzung diskutiert und später bei Bedarf mit dem Arbeitgeber abgeklärt werden sollten:

Welche (neuen) Themen und Probleme wurden angesprochen? 

  • Wo gibt es Handlungsbedarf für die Arbeit des Betriebsrats und die betriebliche Mitbestimmung?
  • Wollen wir als BR die Reaktion der Belegschaft als Verhandlungsauftrag nutzen und ankündigen?

Hat organisatorisch (in der Vorbereitung) alles funktioniert? 

  • Terminabsprache
  • Bereitstellen von Räumen, Technik
  • Einladung des Arbeitgebers, vorherige Absprachen, Auftritt auf der Versammlung
  • Freistellung der Kolleg:innen (Termin geeignet? Verhalten der Führungskräfte? …)
  • Teilnahme der Personen, die freihatten
  • Umgang mit Teilnahmehindernissen (z. B. wie kommen die Kolleg:innen in die angemietete Halle?)

Ziel der Nachbesprechung mit dem Arbeitgeber sollte es immer sein, (organisatorische) Probleme und Unklarheiten bei der Vorbereitung und Durchführung der Betriebsversammlung für die nächste Versammlung abzustellen.

Darüber hinaus kann der Betriebsrat die besprochenen Angelegenheiten und die inhaltliche Ausrichtung nutzen, um neue Themen anzustoßen und mehr Nachdruck in „alte“ Verhandlungen zu legen.

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Quellen

Die kleine Betriebsratsbibliothek Band 1-6, Fricke/Grimberg/Wolter, Bund-Verlag, 2014

Ständige Aktualisierungen und Überarbeitung durch die Redaktion BZO-Wissen, V. Havemann